"Sturm der Liebe": Hirnstarre
(Rubrik: Medien_der_Massen)
Nachdem ich zuerst meine (leicht beschädigte) TV-Fernbedienung im Verdacht hatte, nicht umgeschaltet zu haben, kam heute die grausame Erkenntnis. Die neue ARD-Telenovela "Sturm der Liebe" wird auf nahezu allen dritten Fernsehprogrammen bis zum Umfallen wiederholt. Und das nicht nur in der Woche, sondern auch am Wochenende - grusel!
Nach kurzem Einlesen in die dazugehörigen ARD-Pressemitteilungen brauchte ich ein Gegengift - her mit der Medienkritik an diesem Schmonz.
Besonders gut gefallen hat mir der Beitrag von Renée Zucker im Inforadio, hier als Auszug:
Man kann hier die gleichen Backpfeifengesichter sehen, die man schon aus allen anderen daily soaps zu kennen meint, - wo werden die bloß in dieser rasenden Geschwindigkeit gezüchtet? - deren Darstellungskunst zwischen Frühstücksmargarine und Monatsbindenreklame im immergleichen Dekor stattfindet - zumindest was die Innenräume betrifft.(Quelle: rbb Inforadio, auch als MP3-Datei)
Das Medienmagazin ZAPP zitiert in seinem Artikel eine Kulturwissenschaftlerin:
"Wenn man sich dieses Paar anschaut, Heldin und Held, ist das so stereotyp, das es ganz offensichtlich ist, dass es das bürgerliche Geschlechterideal aus dem 18. und 19. Jahrhundert referiert." Keuschheit bis zur Hochzeit - früher mag es das gegeben haben, heute nur noch in Telenovelas. Da wird eine gemeinsame Nacht schon mal zum verschämten Schmunzler. (Quelle: NDR)
SPIEGEL Online hat auch einen schönen Abschnitt, der mich nachdenklich stimmt:
Denn die verzagten Heldinnen reflektieren ihr Schicksal vornehmlich beim Gang durch die Natur. Da wird dann in einem inneren Monolog umständlich bilanziert, was in den Szenen zuvor ausführlich zu sehen gewesen ist. Hier kommen also auch die ganz Doofen mit, bei den Telenovelas bleibt wirklich niemand auf der Strecke.(Quelle: SPIEGEL Online)
Meine Kurzzusammenfassung: Solche Sendungen sind bevölkert von handwerklich schlechten Schauspielern, transportieren überkommene Geschlechter-Stereotypen und wollen damit auch unterste Bildungsschichten erreichen.
Insgesamt halte ich diese Sendeformate für einen geistig-moralischen Rückschritt in unserer Gesellschaft. Schwache junge Frauen, starke Männer, fiese ältere Frauen - booahhh ey, diese Klamottenkiste braucht keine Sau. Ich will starke Frauen sehen, die was bewegen, und nicht verhuschte Mäuschen, die sich kaum ans Atmen herantrauen.
Oder kurz: zeigt mir die Frauen, die ich persönlich kenne & schätze, auch mehr im Fernsehen. Mit allen Schwächen und Stärken, mit allen fürs und widers. Und das meint nicht die an der Männerkarriere orientierte Überfliegerin mit Kindermädchen, die am Leben vorbeisegelt. Die gibt es zwar auch, aber weder erfüllt sie eine positive Vorbildfunktion noch ist sie hinreichend oft in der Gesellschaft vorhanden, als daß man sie so oft auswalzen müßte.
Hey, ihr Daily-Soap/Telenovela-Serienautoren, wieso bekommt ihr das mit der Selbstironie in solchen Serien eigentlich NIE hin? Keiner dort lacht über sich selbst, und wenn, dann ist gleich Bitterkeit im Spiel. So wird das nichts mit dem TV-Standort Deutschland. ;-)
Nach kurzem Einlesen in die dazugehörigen ARD-Pressemitteilungen brauchte ich ein Gegengift - her mit der Medienkritik an diesem Schmonz.
Besonders gut gefallen hat mir der Beitrag von Renée Zucker im Inforadio, hier als Auszug:
Man kann hier die gleichen Backpfeifengesichter sehen, die man schon aus allen anderen daily soaps zu kennen meint, - wo werden die bloß in dieser rasenden Geschwindigkeit gezüchtet? - deren Darstellungskunst zwischen Frühstücksmargarine und Monatsbindenreklame im immergleichen Dekor stattfindet - zumindest was die Innenräume betrifft.(Quelle: rbb Inforadio, auch als MP3-Datei)
Das Medienmagazin ZAPP zitiert in seinem Artikel eine Kulturwissenschaftlerin:
"Wenn man sich dieses Paar anschaut, Heldin und Held, ist das so stereotyp, das es ganz offensichtlich ist, dass es das bürgerliche Geschlechterideal aus dem 18. und 19. Jahrhundert referiert." Keuschheit bis zur Hochzeit - früher mag es das gegeben haben, heute nur noch in Telenovelas. Da wird eine gemeinsame Nacht schon mal zum verschämten Schmunzler. (Quelle: NDR)
SPIEGEL Online hat auch einen schönen Abschnitt, der mich nachdenklich stimmt:
Denn die verzagten Heldinnen reflektieren ihr Schicksal vornehmlich beim Gang durch die Natur. Da wird dann in einem inneren Monolog umständlich bilanziert, was in den Szenen zuvor ausführlich zu sehen gewesen ist. Hier kommen also auch die ganz Doofen mit, bei den Telenovelas bleibt wirklich niemand auf der Strecke.(Quelle: SPIEGEL Online)
Meine Kurzzusammenfassung: Solche Sendungen sind bevölkert von handwerklich schlechten Schauspielern, transportieren überkommene Geschlechter-Stereotypen und wollen damit auch unterste Bildungsschichten erreichen.
Insgesamt halte ich diese Sendeformate für einen geistig-moralischen Rückschritt in unserer Gesellschaft. Schwache junge Frauen, starke Männer, fiese ältere Frauen - booahhh ey, diese Klamottenkiste braucht keine Sau. Ich will starke Frauen sehen, die was bewegen, und nicht verhuschte Mäuschen, die sich kaum ans Atmen herantrauen.
Oder kurz: zeigt mir die Frauen, die ich persönlich kenne & schätze, auch mehr im Fernsehen. Mit allen Schwächen und Stärken, mit allen fürs und widers. Und das meint nicht die an der Männerkarriere orientierte Überfliegerin mit Kindermädchen, die am Leben vorbeisegelt. Die gibt es zwar auch, aber weder erfüllt sie eine positive Vorbildfunktion noch ist sie hinreichend oft in der Gesellschaft vorhanden, als daß man sie so oft auswalzen müßte.
Hey, ihr Daily-Soap/Telenovela-Serienautoren, wieso bekommt ihr das mit der Selbstironie in solchen Serien eigentlich NIE hin? Keiner dort lacht über sich selbst, und wenn, dann ist gleich Bitterkeit im Spiel. So wird das nichts mit dem TV-Standort Deutschland. ;-)
Macsico - Sa, 08. Okt 2005, 14:54 - in: Medien_der_Massen
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 416 Artikelaufrufe


