Di
11
Apr
2006

Webmontag 2, die Zweite
(Rubrik: Informationswissenschaftliches)

24 Stunden sind herum. Der zweite Frankfurter Webmontag hat stattgefunden. Die Tagungstechnik und das Catering der Brotfabrik waren wie bereits erwähnt sehr gut, wovon sich vor allem angeblich professionelle Tagungsausrichter hier und da mal 'ne Scheibe abschneiden sollten. Rückkopplungsgepfeife, Lautstärkenprobleme, schwere Beamerunverträglichkeiten usw. usf. - all' das blieb gestern abend erfreulicherweise dort, wo der Pfeffer wächst.

Kommen wir zum Eigentlichen - was ist mir nach knapp 24 Stunden noch im Kopf haften geblieben?

Erst einmal möchte ich allen danken, die den 2. Frankfurter Webmontag überhaupt ermöglicht haben. Der Dank gilt den Organisatoren, den vielen Teilnehmern, den Vortragenden und den Berichterstattern. Ohne Euch wäre das alles nicht zustande gekommen. Ich halte nämlich eine quasi sich selbst organisierende Veranstaltung nicht für selbstverständlich, insbesondere, wenn sich die Teilnehmer eigentlich in überwiegender Anzahl nicht real kennen.

Außerdem möchte ich den Mut der Vortragenden hervorheben, sich trotz erkennbarer Lücken ins Rampenlicht zu stellen. Jungs, teilweise war das schwer zu erkennen (hellgrüne Schrift auf weißem Grund), teilweise zu kleine Schrift bei Demos, teilweise seltsam bis gar nicht ausreichend verständlich und hier und da entweder zu lang oder inhaltlich zu dünn. Aber hey! Ihr habt Euch vorne hingestellt! Ihr habt mir was Neues erklärt! Und darauf kam es mir an. Ich wollte was lernen, und ich wollte mich eigentlich mit anderen darüber austauschen.

Damit leite ich zu dem Punkt über, der mich auch im Nachhinein immer noch verwundert - es gab keine Diskussionen nach den Vorträgen. Keine Rückfragen. Nicht mal Anmerkungen. Wollte keiner? Oder war das eine konzeptionelle Lücke, die man künftig in der Organisation ausdrücklich berücksichtigen sollte? Meine bisherigen Tagungserfahrungen beinhalteten immer auch eine Frage & Antwort-Session am Ende des Vortrags oder aller Vorträge, und das fehlt mir hier doch sehr stark. Wie, wenn nicht direkt danach, kann ich angefangene Gedankenstränge vorantreiben, weiter einsteigen in ein Thema, oder auf eventuell bessere Lösungen verweisen?

Die darauf folgende "Kuschelrunde" machte ihrem Namen alles Ehre und bot aus meiner Sicht viele interessante Gespräche, die in meinem Fall bis 1 Uhr gingen. Ich habe viel gelernt und viel begriffen, und das will ich gerne wiederholen.

Insgesamt sehe ich Verbesserungspotential für die nächste Veranstaltung seitens aller Teilnehmer, was den reinen Vortragsanteil angeht. Die einen brauchen hier und da eine bessere Vorbereitung für ihre Präsentation, und die anderen mehr Neugier, mehr Widerspruch, mehr Fragelust.

So, und warum verwende ich nun keine Tags, fragt sich der aufmerksame Leser? Weil twoday kein strukturiertes Datenbanksystem mit inhaltlich genau definierten Feldern ist, wie ich es von professionellen Datenbankanbietern wie LexisNexis, GBI-GENIOS oder Datastar kenne. Wer mag, schaut sich mal ein Datenbanksheet bei Datastar an, am besten das von der Lebensmittelzeitung, und rollt mal runter zu "Paragraphs and Searching". Da sieht man, wie ein professionelles Meta-Daten-System arbeitet. Das TX-Feld entspricht dem, was ihr hier lest: ein einfaches Freitextfeld. Und die anderen 19 Felder sind ausgefüllt mit Meta-Daten, die einem genauen Muster folgen. Damit bin ich in der Lage, sehr sauber alles mögliche in dieser Datenbank zu finden, egal wie herum ich mich dem Thema nähere.

Eine reine Freitext-Verschlagwortung kann immer nur Teile davon abbilden, weil zu oft weder die Sprache noch der Kontext oder gar kontrolliertes Vokabular verwendet wird. Das ist mein Kernproblem mit dem gegenwärtig anzutreffenden Tagging-Wahn: man folgt keinerlei Regeln, und baut somit mit viel Aufwand wieder nur eine Datenmüllhalde ...

Mir geht es darum, daß viele Möglichkeiten zur Inhaltserschließung bereits seit langem existieren, bloß gegenwärtig in jeder mir bekannten Web2.0-Diskussion einfach ignoriert werden und durch eher rudimentäre Ansätze wie Tagging ersetzt werden sollen. Da gerade Tagging vor allem als gemeinschaftliche Lösung die Strukturierung von großen Datenmengen angesehen wird, finde ich es seltsam, daß man diesen Ansatz so stark favorisiert, obwohl er bereits vorhandene Lösungen im großen und ganzen ignoriert.

Für weitergehende Fragen stehe ich gerne zur Verfügung, und wer mehr wissen will, schaut sich an, wo ich das alles gelernt habe.

Großer Rahmen, kleine Vorträge
(Rubrik: Technisches)

Die Überschrift gibt meinen Eindruck vom 2. Frankfurter Webmontag ganz gut wieder. Ein Saal im Frankfurter Kulturzentrum "Brotfabrik" ermöglichte entspanntes Sitzen und Zuhören, und einen gesondertern Raum zum Trinken & Rauchen gab es auch - so weit, so gut.

Mehr dazu später in der nächsten Wachperiode.

Ach ja, hier stehen keine Tags. Dazu später auch mehr.

Nachtrag 11.04.2006, 22:53 Uhr: Mehr dazu gibt im ausführlichen Posting.
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