Di
20
Dez
2005

Frauen sind billig
(Rubrik: Ideen_fuer_eine_Zukunft)

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung hat die Studie WSI-FrauenDatenReport 2005 veröffentlicht:

Das durchschnittliche Einkommen von Frauen mit Vollzeittätigkeit liegt in Deutschland weiter erheblich unter dem der Männer. In Westdeutschland verdienen Frauen im Durchschnitt 23 Prozent weniger, in Ostdeutschland etwa 10 Prozent. Der Aufholprozess ist in den letzten zehn Jahren sogar ins Stocken geraten. Daran haben die besseren formalen Bildungsleistungen der Frauen wenig ändern können. Unter den 25 EU-Ländern gibt es nur zwei, in denen die Lohnkluft zwischen den Geschlechtern noch größer ist als in Deutschland: Estland und die Slowakei.(Quelle: FrauenDatenReport-Pressemitteilung des WSI der Hans-Böckler-Stiftung vom 19.12.2005)

Die auf oben verlinkter Seite befindliche Pressemappe im PDF-Format (25 Seiten mit Abbildungen und Tabellen) sollte sich jeder durchschauen, der detailliertere Vergleiche sehen will. Leider sind nur einige Schußfolgerungen darin enthalten, der Rest ist der in Buchform veröffentlichten Studie vorbehalten.

Die taz kommentiert zum Thema:

Gewichtiger als jeder Bildungsvorsprung wirkt dann ein altbekanntes Karrierehemmnis: dass nach wie vor Sie die Hauptlast der Babyfürsorge trägt. Solange ein Arbeitgeber erwarten muss, dass eine Mutter ihren Beruf aufgibt, wird der dem weiblichen Jungtalent einen Spitzenposten gar nicht erst anvertrauen. Und wenn statistisch erwiesen ist, dass viele Väter ihr Jobpensum eher steigern - dann muss Sie sich umso überforderter zwischen Teilzeitjob und Babypflichten aufreiben.

Die Daten zeigen, wie sehr jene jungen Frauen irren, die Feminismus als verstaubtes Anliegen der Müttergeneration abtun. Und wie wichtig der Paradigmenwechsel in der Familienpolitik ist, der derzeit sogar Teile der CDU erfasst.
(Quelle: taz Nr. 7850 vom 20.12.2005, Seite 12 (COSIMA SCHMITT)

Schaut man mal in den stern online, hat man den Eindruck, als wenn der verantwortliche Journalist auf einer anderen Pressekonferenz war. Er stellt seine Fragen so, als wenn Frauen in Deutschland schon in vielen Bereichen vollständig gleichberechtigt wären. Bei Ablegung aller vorschriftsmäßig vor dem Kopf angebrachten Bretter hätte einfaches Lesen der Pressemitteilung und der Pressemappe zu anderen Fragen geführt als zu diesen:

Frauen sind besser ausgebildet, ergattern immer häufiger Spitzenjobs und leben länger. Braucht es überhaupt noch eine spezielle Frauenpolitik? stern.de sprach mit der Arbeitsmarktexpertin Silke Bothfeld von der Hans-Böckler-Stiftung.
(...)
Ist nicht gerade die Teilzeit eine Lösung, um Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen?
(...)
Rein zahlenmäßig steigt der Anteil von Frauen von Top-Positionen allerdings.
(...)
(Quelle: stern.de vom 19. Dezember 2005 - Interview mit Dr. Silke Bothfeld, Mitautorin der Studie (Lutz Kinkel)

In der oben bereits erwähnten Pressemappe heisst es nämlich auf Seite 14:

Ein erheblicher Teil des Einkommensunterschiedes kann der Diskriminierung zugeschrieben werden
Doch nur ein Teil des Einkommensunterschiedes zwischen Frauen und Männern lässt sich anhand dieser Tätigkeitsmerkmale erklären. Der nicht hierdurch erklärbare Anteil gilt als Maß der Diskriminierung. Nach der IAB-Beschäftigtenstichprobe beläuft sich eine reine geschlechterbedingte Einkommensdiskriminierung in Westdeutschland auf 32% und in Ostdeutschland auf 24%. Oder anders formuliert in Westdeutschland lassen sich ein Drittel – in Ostdeutschland ein Viertel - der geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede nicht durch strukturelle Differenzen erklären und müssen allein dem Geschlecht der abhängig Beschäftigten zugeschrieben werden.
(Quelle: Pressemappe der WSI-Studie FrauenDatenreport 2005)

Praktischerweise hat BILD.de den Hinweis auf die Diskriminierung gleich weggelassen, ganz im Gegensatz zu tagesschau.de oder NETZEITUNG.de.

Mir ist schleierhaft, was man die Arbeitgeberverbände am Wort "Diskriminierung" nicht verstehen - oder warum sperren sie sich seit Jahren gegen ein Gleichstellungsgesetz? Ein Interview mit Heide Pfarr, die 2001 auf bereits in den USA etablierte Modelle verwies, deutet eher auf massive Unkenntnis hin als auf begründete Ablehnung.

Mit Diskriminierung erzielt man keine Erfolge, meine Herren - jedenfalls keine langfristigen oder gar nachhaltigen. Langsam aber sicher plädiere ich das Vorgehen der Lysistrata, wenn schon Sachargumente an den Dickschädeln der Herren abprallen. Auf auf, meine Damen!
testsiegerin - 20. Dez, 22:23

sogar kleine mädchen sind schon billiger.
einer studie zufolge wird für jungs etwa doppelt so viel ausgegeben zu weihnachten wie für mädchen.
Macsico - 21. Dez, 23:21

Eigentlich erschreckend,

... wie früh bereits mit der unterschiedlichen Behandlung angefangen wird. Und der Be-/Entwertung im Sinne der Wertübereignung ...
Frau Schaaf - 20. Dez, 22:29

Ich sach mal: vier Glühkirsch, macht 8 Öro und die Olle kommt mit nach Hause = billig ;-)
Macsico - 21. Dez, 23:23

Du Blauschaaf,

... nicht in mein Blog reihern, hörst Du?!?
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Nicht immer objektiv, nicht immer folgerichtig, teilweise sogar vollkommen subjektiv.

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