Echter Karneval geht anders
(Rubrik: Freiheit)
Röcke: Es war eine Lust an der Verkehrung, die aber nur beschränkt war auf diese Zeit. Man darf sich das nicht als irgendetwas Revolutionäres vorstellen, sondern ich würde schon diesen Bergriff der Lust nehmen. Es war eine Lust der Verkehrung, Männer verkleideten sich als Frauen, Frauen als Männer, praktizierten Werberituale und das ist dann natürlich sehr interessant, dass also diejenigen, die sonst auch gewalttätig ihre Werbung durchgeführt haben, waren dann auf einmal Opfer genau derselben Praxis. Wir haben Kinder, die auf Bischofsitze gesetzt werden, das heißt also, da haben Sie die Verkehrung von alt und jung, aber auch von geistlich und nichtgeistlich. Wir haben die Verkehrung von Herren und Knechten, von Geistlichen und nicht Geistlichen. Wir haben die Verkehrung von Herren und Knechten, dass also die Knechte, die wirklich Ausgebeuteten, auch im Wortsinne, für eine kurze Zeit sich als Herren gerieren konnten und wir haben, das kennen Sie natürlich von den Masken, die Verkehrung von Mensch und Tier.
(...)
Röcke: Was ich nicht so gut finde heute, ich habe das ja angekündigt, dass ich da ein bisschen kritische Distanz habe, ist, dass dieses eminent Kollektive, was da immer drin war, dass die ganze Stadt mitgefeiert hat und es auch kollektive Probleme, also der Stadtgemeinde und die ich genannt habe, sind solche Probleme, aufgespießt werden, dass dieses reduziert wird bis zum Schunkeln. Also gerade dieses Schunkeln finde ich also eine Restform, dieser kollektiven Lustinszenierung, die es im Mittelalter mal gehabt hat und das ist natürlich nicht so viel und wenn ich dann sehe, dass unsere Politiker sich rote Nasen aufsetzen und dann schon finden, dass sie komisch seien, dann fängt mein Problem an. Dieses kritische Potential auch durchaus gegen die Obrigkeit, ist etwas, was in der Tradition des Karnevals drin ist und das ist immer mehr reduziert worden. (Quelle: Deutschlandradio Kultur - Kulturinterview - Eine "Restform der kollektiven Lustinszenierung". Auch als MP3)
Ein sehr interessantes Interview mit Prof. Werner Röcke, Humboldt-Universität Berlin, in welchem Ursprünge und Hintergründe unseres heutigen Karnevals gut zusammengefasst werden. Vor allem hatte es früher eine Funktion für alle, nicht nur für die Mitmachenden. Und es war keine reine Spaßveranstaltung, sondern hatte durchaus einen ernsten Hintergrund.
Hiermit erteile ich Lesebefehl! Ich wußte, warum mir das Schunkeln schon immer suspekt war! ;-)
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Röcke: Was ich nicht so gut finde heute, ich habe das ja angekündigt, dass ich da ein bisschen kritische Distanz habe, ist, dass dieses eminent Kollektive, was da immer drin war, dass die ganze Stadt mitgefeiert hat und es auch kollektive Probleme, also der Stadtgemeinde und die ich genannt habe, sind solche Probleme, aufgespießt werden, dass dieses reduziert wird bis zum Schunkeln. Also gerade dieses Schunkeln finde ich also eine Restform, dieser kollektiven Lustinszenierung, die es im Mittelalter mal gehabt hat und das ist natürlich nicht so viel und wenn ich dann sehe, dass unsere Politiker sich rote Nasen aufsetzen und dann schon finden, dass sie komisch seien, dann fängt mein Problem an. Dieses kritische Potential auch durchaus gegen die Obrigkeit, ist etwas, was in der Tradition des Karnevals drin ist und das ist immer mehr reduziert worden. (Quelle: Deutschlandradio Kultur - Kulturinterview - Eine "Restform der kollektiven Lustinszenierung". Auch als MP3)
Ein sehr interessantes Interview mit Prof. Werner Röcke, Humboldt-Universität Berlin, in welchem Ursprünge und Hintergründe unseres heutigen Karnevals gut zusammengefasst werden. Vor allem hatte es früher eine Funktion für alle, nicht nur für die Mitmachenden. Und es war keine reine Spaßveranstaltung, sondern hatte durchaus einen ernsten Hintergrund.
Hiermit erteile ich Lesebefehl! Ich wußte, warum mir das Schunkeln schon immer suspekt war! ;-)
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