Der nächste Tag: 12. September 2001
(Rubrik: Schatten_der_Vergangenheit)

Am Morgen des 12. Septembers 2001 ging ich zu Fuß zur Arbeit - Bus verpasst. Machte nichts, denn ich war sowieso noch verstört von den Ereignissen des Vortags in New York und Washington DC.

Im Radio war gemeldet worden, daß die hessische Landesregierung eine Empfehlung ausgesprochen hatte. Diejenigen Firmen, die ihren Sitz in einem der Frankfurter Hochhäuser hätten, sollten ihren Mitarbeitern aufgrund der unklaren Sicherheitslage für den Tag frei geben. Aha, soweit sind wir also schon, dachte ich mir. Mal gucken, ob Deine Firma da mitmacht, dachte ich weiter.

Der Fußmarsch zu meiner Firma führte mich am Frankfurter Messeturm vorbei - dieser wurde just zu dieser Zeit wegen einer anonymen Bombendrohung geräumt, die Menschenmassen strömten nur so aus dem Gebäude. Zu meinem damaligen Arbeitsplatz waren es vom Messeturm aus nur wenige Schritte, denn dieser lag im direkt benachbarten Pollux-Turm.

Als ich in dessen Eingangshalle kam, standen diverse hastig gemalte Hinweis-Schilder der anderen Firmen dort, die ihre Mitarbeiter vorsorglich nach Hause schickten. Keines von meiner Firma. Shit. Ich ging in den Aufzug und drückte wie immer die Taste «31».

Durch die Nachrichten des Vortags hatte ich mitbekommen, daß auch kleinere Hochhäuser im Nahfeld des World Trade Centers durch die herabstürzende Gebäudeteile stark beschädigt worden waren. Und ich saß im zweiten Stockwerk von oben, also so weit oben, daß eine Rettung nach unten nicht einfach sein würde, FALLS es soweit käme.

Und mein Gebäude stand in direkter, theoretischer Fallrichtung des Frankfurter Messeturms. Wenn es einen weiteren Flugzeug-Anschlag nach dem New Yorker Muster auch hier geben würde, so meine Spekulation, dann würde das Frankfurter Symbol der Geld-Macht, der Messeturm, bestimmt das wichtigste Ziel sein.

Und mit dieser Scheißangst saß ich dann den ganzen Tag bei der Arbeit. War froh, mittags rauszukönnen, bloß weit weg vom Messeturm. Und nach dem Essen mußte ich wieder hochfahren, und wieder kam diese beklemmende Gefühl hoch, was passieren würde, wenn ...

Das war mein 12. September 2001 in der Frankfurter Hochhauszone.

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