ÖPNV-Tarife für Fortgeschrittene
(Rubrik: Verkehrliches)
Hat letzte Woche Donnerstag angefangen. Da habe ich mich für ein 4-Tage-Seminar Ende November im Lübeck angemeldet. Ist nicht weit weg, kann man gut mit dem Zug hinkommen, dachte ich. Für die Verbindung selbst stimmt das sogar. Aber der Reihe nach.
Zuhause warf ich flugs die Reiseauskunft der Deutschen Bahn an und ließ mir Verbindungen heraussuchen. So weit, so gut. Aber oh weh, die Bahn konnte mir keinen Fahrpreis dafür nennen, was mich stutzig machte.
Lübeck ist doch gar nicht im HVV, das hatte ich noch von der Tariflandkarte im Hinterkopf - oder gibt es da einen Übergangstarif (Achtung, wichtiges Wort!) für Reisende aus dem HVV-Gebiet? Schließlich ist der HVV schon seit zwei Jahren recht weit nach Schleswig-Holstein rein gültig.
Also warf ich als nächstes meinen allwissenden HVV-Geofox an, der bestimmt dazu was sagen könnte. Richtig, er teilte mir mit: «Es gilt der Schleswig-Holstein-Tarif, HVV-Tarif gilt nicht.»
Was für ein Tier? Ich dachte, ich fahre mit der Deutschen Bahn AG im Bahntarif? Scheinbar nicht, also arbeitete ich mich durch die Weiterleitungsseite bis zur eigentlichen Nahverkehrsseite des Schleswig-Holstein-Tarifs vor. Der Menüpunkt «Preisberater» gaukelte mir das nahe Ende meiner Suche vor, doch wirklich zweifelsfrei beraten hat er mich auch nicht.
Nach einigem Herumprobieren merkte ich nämlich, daß meine HVV-Jahreskarte für den Großbereich Hamburg bisher nicht in der Berechnung drin war, obwohl damit ca. die Hälfte der Strecke im HVV verläuft. Also suchte ich den letzten HVV-Bahnhof im Großbereich heraus und ließ mir dann von dort aus die Preise nach Lübeck zeigen.
Und da wurde ich dann stinkig. Die für meine Verbindung gültige «Tarif Auskunft» (Tarif-Auskunft-SH-Tarif (pdf, 44 KB) besteht aus einer sehr großen Tabelle, die einen mit genau 78 (!) Tarifmöglichkeiten auf zwei möglichen Streckenverläufen mehr als erschlägt.
Selbst bei Wegfall der zweiten Streckenvariante blieben noch 39 verschiedene Preise übrig, mit denen man die Strecke von Ahrensburg nach Lübeck bezahlen könnte. Der bunte Strauß an Tarifen umfasste jegliche Fahr- und Zeitkarte in jeder Rabattierungsstufe in jeder Klasse. Das war so hilfreich wie der Verweis auf einen Duden, in dem jedes deutsche Wort drinsteht. Nach dem Durchlesen aller Varianten kam ich zu der Ansicht, daß eine Übergangskarte 2. Klasse wohl die richtige Karte wäre.
Sie war bloß bemerkenswert billig, das war ihr einziger Schönheitsfehler. Das ließ mir keine Ruhe - am Ende würde ich die falsche Karte kaufen und dann würde es richtig teuer werden. Daraufhin durchforstete ich die Tarifbestimmungen des SH-Tarifs und stellte fest, daß das kleine unschuldige Wörtchen «Übergang» in Schleswig-Holstein-Tarif anders benutzt wird als in allen anderen mir bekannten Verkehrsverbünden Deutschlands.
Dort stellt ein «Übergangstarif» die preisliche Übereinkunft zwischen zwei aneinander grenzenden Verkehrsverbünden dar, die Kunden des jeweils anderen Verbundes gegen Zahlung eines kleinen Aufpreises unter Anerkennung der fremden Karte/Tarife zu befördern. Ein «Übergang» im Tarifgeflecht des SH-Tarifs stellt hingegen die kostenpflichtige Möglichkeit dar, in die 1. Klasse einer Zugverbindung zu wechseln, was in einem Bus-dominerten Bundesland besonders sinnig ist.
Um den Wahnsinn auf die Spitze zu treiben, erläutern die Tarifbestimmungen sogar genau, daß man bei Fernzügen in das HVV-Tarifgebiet hinein und heraus fahren dürfe und der SH-Tarif dort Gültigkeit hätte. Umgekehrt gilt das natürlich nicht - somit wurde also mein Fall gar nicht berücksichtigt.
Lange Rede, kurzer Sinn - heute rief ich die kostenpflichtige Tarifauskunft an und wünschte eine Antwort. Einzelfahrten unter Zuhilfenahme meiner BahnCard war die Antwort. Hat sie mir vorgerechnet, und stimmte auch in meinem speziellen Fall. Konnte sie aber nur sagen, weil sie diesen gesteigerten Wahnsinn selbst erst länger lernen mußte, bevor sie ihn anwenden konnte.
Und warum habe ich das nun alles hier aufgeschrieben? Ich wollte mal aufzeigen, was diese wahnsinnigen Schreibtischtäter (auch bekannt als Tarifgestalter) sich in ihren warmen Stuben für einen Blödsinn ausdenken, um einem die Bezahlung (!) einer Fahrt von A nach B so schwierig wie möglich zu machen, wenn drei verschiedene Tarifpartner davon betroffen sind.
So bekommt man die Leute nicht aus den Autos rauf auf die Schiene und in die Busse ...
Nachtrag: Der Kauf der angeratenen Einzelfahrkarte hier in Hamburg (!) ist auch so ein Brüller. Ich soll am grauen (nicht die orangen HVV-Kisten) DB-Fahrkartenautomaten erstmal «8888» tippen, damit ich das Gerät auf eine andere Ausgangshaltestelle als den aktuellen Standort umschalte, um dann erst den eigentlichen Zielcode einzugeben und die Karte danach mittels der Taste «Ermäßigung BahnCard» auf meinen Wunschpreis einzustellen. Wäre anfangs schwer, aber mit der Zeit ginge das, beruhigte mich die Dame von der Tarifauskunft.
Nun muss ich also das Gerät noch quasi programmieren für EINE Fahrkarte. Ich wollte doch eigentlich nur preiswert fahren ...
Zuhause warf ich flugs die Reiseauskunft der Deutschen Bahn an und ließ mir Verbindungen heraussuchen. So weit, so gut. Aber oh weh, die Bahn konnte mir keinen Fahrpreis dafür nennen, was mich stutzig machte.
Lübeck ist doch gar nicht im HVV, das hatte ich noch von der Tariflandkarte im Hinterkopf - oder gibt es da einen Übergangstarif (Achtung, wichtiges Wort!) für Reisende aus dem HVV-Gebiet? Schließlich ist der HVV schon seit zwei Jahren recht weit nach Schleswig-Holstein rein gültig.
Also warf ich als nächstes meinen allwissenden HVV-Geofox an, der bestimmt dazu was sagen könnte. Richtig, er teilte mir mit: «Es gilt der Schleswig-Holstein-Tarif, HVV-Tarif gilt nicht.»
Was für ein Tier? Ich dachte, ich fahre mit der Deutschen Bahn AG im Bahntarif? Scheinbar nicht, also arbeitete ich mich durch die Weiterleitungsseite bis zur eigentlichen Nahverkehrsseite des Schleswig-Holstein-Tarifs vor. Der Menüpunkt «Preisberater» gaukelte mir das nahe Ende meiner Suche vor, doch wirklich zweifelsfrei beraten hat er mich auch nicht.
Nach einigem Herumprobieren merkte ich nämlich, daß meine HVV-Jahreskarte für den Großbereich Hamburg bisher nicht in der Berechnung drin war, obwohl damit ca. die Hälfte der Strecke im HVV verläuft. Also suchte ich den letzten HVV-Bahnhof im Großbereich heraus und ließ mir dann von dort aus die Preise nach Lübeck zeigen.
Und da wurde ich dann stinkig. Die für meine Verbindung gültige «Tarif Auskunft» (Tarif-Auskunft-SH-Tarif (pdf, 44 KB) besteht aus einer sehr großen Tabelle, die einen mit genau 78 (!) Tarifmöglichkeiten auf zwei möglichen Streckenverläufen mehr als erschlägt.
Selbst bei Wegfall der zweiten Streckenvariante blieben noch 39 verschiedene Preise übrig, mit denen man die Strecke von Ahrensburg nach Lübeck bezahlen könnte. Der bunte Strauß an Tarifen umfasste jegliche Fahr- und Zeitkarte in jeder Rabattierungsstufe in jeder Klasse. Das war so hilfreich wie der Verweis auf einen Duden, in dem jedes deutsche Wort drinsteht. Nach dem Durchlesen aller Varianten kam ich zu der Ansicht, daß eine Übergangskarte 2. Klasse wohl die richtige Karte wäre.
Sie war bloß bemerkenswert billig, das war ihr einziger Schönheitsfehler. Das ließ mir keine Ruhe - am Ende würde ich die falsche Karte kaufen und dann würde es richtig teuer werden. Daraufhin durchforstete ich die Tarifbestimmungen des SH-Tarifs und stellte fest, daß das kleine unschuldige Wörtchen «Übergang» in Schleswig-Holstein-Tarif anders benutzt wird als in allen anderen mir bekannten Verkehrsverbünden Deutschlands.
Dort stellt ein «Übergangstarif» die preisliche Übereinkunft zwischen zwei aneinander grenzenden Verkehrsverbünden dar, die Kunden des jeweils anderen Verbundes gegen Zahlung eines kleinen Aufpreises unter Anerkennung der fremden Karte/Tarife zu befördern. Ein «Übergang» im Tarifgeflecht des SH-Tarifs stellt hingegen die kostenpflichtige Möglichkeit dar, in die 1. Klasse einer Zugverbindung zu wechseln, was in einem Bus-dominerten Bundesland besonders sinnig ist.
Um den Wahnsinn auf die Spitze zu treiben, erläutern die Tarifbestimmungen sogar genau, daß man bei Fernzügen in das HVV-Tarifgebiet hinein und heraus fahren dürfe und der SH-Tarif dort Gültigkeit hätte. Umgekehrt gilt das natürlich nicht - somit wurde also mein Fall gar nicht berücksichtigt.
Lange Rede, kurzer Sinn - heute rief ich die kostenpflichtige Tarifauskunft an und wünschte eine Antwort. Einzelfahrten unter Zuhilfenahme meiner BahnCard war die Antwort. Hat sie mir vorgerechnet, und stimmte auch in meinem speziellen Fall. Konnte sie aber nur sagen, weil sie diesen gesteigerten Wahnsinn selbst erst länger lernen mußte, bevor sie ihn anwenden konnte.
Und warum habe ich das nun alles hier aufgeschrieben? Ich wollte mal aufzeigen, was diese wahnsinnigen Schreibtischtäter (auch bekannt als Tarifgestalter) sich in ihren warmen Stuben für einen Blödsinn ausdenken, um einem die Bezahlung (!) einer Fahrt von A nach B so schwierig wie möglich zu machen, wenn drei verschiedene Tarifpartner davon betroffen sind.
So bekommt man die Leute nicht aus den Autos rauf auf die Schiene und in die Busse ...
Nachtrag: Der Kauf der angeratenen Einzelfahrkarte hier in Hamburg (!) ist auch so ein Brüller. Ich soll am grauen (nicht die orangen HVV-Kisten) DB-Fahrkartenautomaten erstmal «8888» tippen, damit ich das Gerät auf eine andere Ausgangshaltestelle als den aktuellen Standort umschalte, um dann erst den eigentlichen Zielcode einzugeben und die Karte danach mittels der Taste «Ermäßigung BahnCard» auf meinen Wunschpreis einzustellen. Wäre anfangs schwer, aber mit der Zeit ginge das, beruhigte mich die Dame von der Tarifauskunft.
Nun muss ich also das Gerät noch quasi programmieren für EINE Fahrkarte. Ich wollte doch eigentlich nur preiswert fahren ...
Macsico - Mi, 15. Nov 2006, 16:17 - in: Verkehrliches
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