Mythos:
- eine Reservierung ist immer gültig
- Reservierungen kann man nicht bis kurz vor Abfahrt des Zuges kaufen
- ein freier Platz ist ein freier Platz, da stand ja nix
Realität (Achtung, Preise sind vom Juli 2007!):
Sitzplatzreservierungen können Sie auf www.bahn.de noch bis 10 Minuten vor Ihrer Reise vornehmen - über das Eingabefeld auf der Startseite (Reiseauskunft - Tickets) oder in der Rubrik "Planen&Buchen". Ihre Sitzplatzreservierung schließt auch eine Anschlussreservierung ein.
(...)
Auf www.bahn.de zahlen Sie für Ihre Sitzplatzreservierung nur 1,50 EUR bei gleichzeitiger Buchung einer Fahrkarte.
(...)
Wichtig:
Bitte beachten Sie, dass Ihre Sitzplatzreservierung nur bis 15 Minuten nach Abfahrt des Zuges aufrechterhalten wird. (Quelle:
Deutsche Bahn AG: Reservierung empfohlen)
Gestern erzählte mir mein Wochenendbesuch folgende Begebenheit von der Zugfahrt nach Hamburg:
Ein männlicher Fahrgast stieg ein und wählte einen anderen Platz als er ursprünglich reserviert hatte. Als er dann nach
zwei Stunden von anderen Fahrgästen von denen für sie reservierten Plätzen vertrieben wurde, wollte er plötzlich doch die Ursprungsreservierung in Anspruch nehmen, obwohl diese gemäß obiger Regelung längst verfallen war. Als er darauf hingewiesen wurde, daß diese schon lange nicht mehr gültig wäre, hat er mit absolutem Unverständnis reagiert und auf den Platz bestanden. Soweit dieser Herr, der in Unkenntnis der Sachlage einen vermeintlichen Anspruch durchgesetzt hat - weil keiner sein Gelaber mehr hören wollte.
Als mir diese Geschichte erzählt wurde, fiel mir meine eigenen Bahnfahrten kreuz und quer durch Deutschland ein, wo ich im Gespräch mit anderen Reisenden ebenfalls diesen Regelung zum Besten gab - die kennt komischerweise kaum einer von denen, mit denen ich sprach.
Und auch zu wenige wußten, daß man eine Reservierung online noch bis 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges tätigen kann. In ICEs gibt es z.B. sowohl bahn.comfort-Plätze als auch Express-Reservierung-Plätze, die daher extrem kurzfristig bebucht werden können. Wenn ich dann um Freigabe des Platzes bitten mußte, kam oft das Gemaule, daß da doch gar keine echte Reservierung gestanden hätte - stimmt, da steht nämlich immer "ggf. freigeben" unter der Hauptbetitelung drunter.
Es sind scheinbar vor allem Gelegenheitsfahrer, die über solche Feinheiten stolpern. Auch sehr beliebt ist das Besetzen eines Platzes in modernen ICEs mit Digital-Anzeige, dessen sichtbare (!) Reservierung im ersten Moment bis Abfahrtsort + zwei bis drei Folgestationen reicht. Ab der vierten Station springt das Teil automatisch um, wird neu vergeben - und der Streit ist vorprogrammiert, da plötzlich wieder maulende Leute vom Platz vertrieben werden, die sich beschweren, daß da "nix stand".
Das sind im Regelfall übrigens die gleichen, die nicht wußten, daß man noch bis kurz vor Zugabfahrt eine Express-Reservierung vornehmen kann ...
Ich stelle also fest:
- Regeln und Möglichkeiten rund um Reservierungen sind nach wie vor nicht Allgemeinwissen
- die Deutsche Bahn AG trägt im Zug selbst nicht dazu bei, daß Gelegenheitsfahrer dieses Wissen zumindest vor Ort durch geeignete Aushänge und Beschilderung vermittelt bekommen. Flächen dafür gibts im Zug genug, aber da hängt bisher kommerzielle Werbung ...
Es gibt noch viel zu tun, liebe DBAG, damit sich Eure Kunden nicht ständig sinnlos streiten müssen.
Nachtrag, 19.07.2007, 11:01 Uhr:
Die eingehenden Suchanfragen der letzten Tage zeigen mir, daß ich noch was nachschieben muss.
bahn.comfort-Kunden und Reservierungen:
- bahn.comfort-Kunden können nur über die auf ihrer bahn.comfort-Bahncard ausgewiesene Service-Telefonnummer Platzreservierungen für den bahn.comfort-Bereich in den Waggons der 1. und 2. Klasse kaufen. Diese sind oft auch noch verfügbar, wenn der Rest der Zuges bereits ausgebucht ist. Meistens zieht man die dann am Automaten mittels einer eTix-Nummer.
- Der bahn.comfort-Bereich ist nicht kostenlos, auch wenn der eine oder andere das glauben mag. Er ist nur einfach noch bis kurz vor der Zugabfahrt verfügbar, darum geht es bei diesem Angebot.
- bahn.comfort-Reservierungen sind nicht online verfügbar, was ich auch schon gegenüber DBAG-Personal mehrfach bemängelt habe. Hier hat scheinbar mal wieder die früher vorgenommene Ausgliederung von Unternehmensbereichen für zueinander inkompatible EDV-System gesorgt. Die Rückeingliederung per März diesen Jahres könnte da ein Lichtblick sein.
Insgesamt ist die Reservierungssituation im bahn.comfort-Bereich (jedenfalls so wie ich sie kenne bis Ende 2006) sowohl von Unklarheiten (nicht kostenfrei trotz hoher Umsätze) als auch von organisatorischen Mängeln (nicht online verfügbar bei der Buchung) geprägt. Aber sobald man das weiß, kann man damit auch in "ausgbuchten" Zügen immer noch eine Platz reserviert bekommen, was vor allem für Gepäckreisende wie mich immer ein Segen war bei kurzfristigen anzutretenden Fahrten.
Nachtrag, 24.11.2007, 13:02 Uhr:
Keine Ahnung, ob ich sie damals übersehen habe - hier ist ein direkter Link zur
bahn.comfort-FAQs, die ich aufgrund aktuell zurückverfolgter Referrer nun entdeckt habe.